Wieso Kilian Jornet ein Held bleibt.

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Von Denis Wischniewski

Eine Nachricht vorweg: Kilian Jornet lief 134 Kilometer in 10 Stunden und 20 Minuten. Ziemlich schnell. Die Nachricht im Anschluss: Es geht ihm gut. Er ist okay.
Und – ach ja, er wollte eigentlich viel länger laufen.

Was war passiert? Er wollte 24 Stunden lang auf einer Bahn möglichst viel Distanz hinter sich bringen. Möglichst unverletzt, möglichst mit viel Spaß. Mit eben jenem Spaß, den er beim Laufen in den Bergen, auf Skiern und am Fels hat. Nicht einfach.

Deshalb war ich auch überrascht, dass er sich in jüngste Strassenlauf-Versuche begab.
Ich hatte vor Jahren bereits in einem Interview mit dem Katalanen über seine Ambitionen gesprochen einen Marathon auf Asphalt zu laufen und zu meiner Überraschung (damals schien das bei ihm sehr weit entfernt zu ein) gab er zu, dass ihn seine Leistung über flache 42,195 km doch auch sehr interessieren würde.

Wie es denn nun letztlich zu den Umständen kam, dass der beste Trail- und Skyrunner, ja vielleicht, der kompletteste Outdoor-Ausdauersportler, den es je gab, auf einer Tratanbahn landete, kann ich nur mutmaßen. Sicher, sein Sponsor lanciert gerade einen neuen Straßenlaufschuh, den Kilian auch lief. Aber nein, da bin ich mir sicher, Kilian stürzt sich nicht blind in sportliche Abenteuer dieser Reichweite, wenn er selbst nicht absolute Lust dazu hätte. Er hatte Lust darauf, er war ordentlich vorbereitet!

Rekord. Weltrekord.
Wir sollten manchmal genauer lesen und hinhören. Es war nie die Rede, dass Kilian diesen Fabelrekord von Yiannis Kouros schlagen will. Der Rekord des Griechen ist vielleicht unantastbar. Ein Rekord für die Ewigkeit. Und trotzdem bin ich mir sicher, dass Kilian die besten Voraussetzungen hätte, an diese Leistung heran zu kommen. Der Ausnahmeläufer Kouros war bei seinem ersten 24-Stunden-Versuch noch weit entfernt von seinem späteren Weltrekord.

Dieser kurze Tag, diese lange Nacht und die Kälte im Stadion im norwegischen Måndalen, waren ganz sicher nicht die besten Bedingungen um Bestleistungen zu erzielen. Man könnte zwar glauben, dass ein ausgeprägter Wintersportler wie Kilian, genau diese Minustemperaturen mag, aber am Ende waren es auch sie die ihm mehr Energie raubten als gedacht.

Nach 10 Stunden und 20 Minuten brach er, nach dem er zusehends langsamer wurde und die Pausen immer länger wurden ab.
Nach der Hälfte seiner 338. Runde ging Jornet zu Boden und musste von der Rennleitung und dem schnell zur Hilfe eilenden medizinischen Personal betreut werden.
 
„Ich fühlte mich eigentlich ziemlich gut, mit dem normalen Auf und Ab bei einem langen Rennen wie diesem“, erzählte Jornet. „Mein Körper fühlte sich gut an, meine Beine waren fit, aber dann fühlte ich plötzlich zwei heftige Schmerzen in meiner Brust, mir wurde schwindelig und ich war plötzlich sehr erschöpft. Nachdem mich die medizinischen Betreuer untersuchten hatten, rieten sie mir, das Krankenhaus aufzusuchen.“

Es ist nicht schlimm an etwas zu scheitern. Es gehört dazu.
Es bleibt etwas Verwunderung zurück. Das gebe ich zu. Der beste Trailrunner der Welt, der Mann der Laufsport am Berg zu einem globalen „Ding“ gemacht hat, sucht seine Herausforderung auf einer 400-Meter-Runde. Er der fast alles was er sich vornahm auch erfolgreich beenden konnte, der mit der Natur die unglaublichsten Rekorde aufstellte, scheitert nun an einer scheinbar sehr linearen und planbaren Sache, einer Aufgabe, die er ja fast mathematisch hätte lösen können?

Viele werden nun sagen – Kilian bleib deinem groben Profil treu. Vergiss flach, schnapp dir künftig wieder den Berg und das zackige Profil.
Ach nö. Ich würde mich freuen, wenn der der alles abseits des Asphalts gewonnen hat, genau da ansetzt wo er nicht weiterkam. Diese 24 Stunden in einem Laufstadion, die laufen ihm nicht weg. Er soll das nochmal versuchen. Unter anderen Umständen hat er beste Chancen auf eine Distanz „um“ die 300 Kilometer.

Kilian Jornet hat das Recht sich zu versuchen, sich auszuprobieren, zu scheitern und zu lernen. Wenn nicht er wer dann?

Hey, Yiannis Kouros. Kilian wird dich nicht betrügen oder abkürzen. Wenn überhaupt, wird er dir irgendwann in naher oder ferner Zukunft deinen irren Rekord einfach so abnhemen:)

3 Kommentare on "Wieso Kilian Jornet ein Held bleibt."

  1. Christina A.

    Danke Denis für diese Wertschätzung Kilian und seiner Leistung gegenüber. Er verdient definitiv Respekt. Ich wünsche mir in den Medien mehr davon zu lesen, dass auch im Sport das Scheitern dazu gehört (und zum Gewinnen gehört) und es eben manchmal mehrere Anläufe braucht. Der Shitstorm in den Kommentaren bei YouTube sollte nicht so viel Beachtung finden. Dafür Kommentare und Verneigungen wie Deine umso mehr!

  2. Stefan Fuchs

    „WIESO KILIAN JORNET EIN HELD BLEIBT“ -> was eine kranke Überschrift. Nur weil jemand ein schlechtes Rennen hatte, kann man doch nicht seine bisher erzielten Leistungen in Frage stellen!!?

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