Streit-Thema Schuhe: Komfort vs. Direktheit

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Wir stellen immer wieder fest, dass das Thema Trailschuhe ein sehr individuelles ist. Gerade bei der Dämpfung scheiden sich die Geister. Auch innerhalb der TRAIl Redaktion gibt es unterschiedliche Vorlieben. Wie muss ein Trailschuh auf langen Distanzen dämpfen? Sehr direkt, mit viel Gefühl für den Untergrund oder eher komfortabel, weich und fluffig? Wir haben dieses Pro & Contra aus einem der vergangenen Ultrarunning Magazine gefunden. #Archiv

 

BENNI BUBLAK

“Ich will direktes Laufgefühl und eine harte Dämpfung”

Der Ascheplatz. In Berlin nannten wir ihn eigentlich Schotterplatz. Gemeint ist wohl der gleiche immer harte steinige Dreckboden, auf welchem ich in meiner Kindheit das Fußball spielen lernte. Mit ungedämpften Fußballtretern. Vielleicht kommt sie daher. Meine Vorliebe für direkt gedämpfte Laufschuhe. Klar, laufe ich auf Asphalt und rolle mit dem ganzen Fuß ab, erschließt sich auch mir der Vorteil einer weichen federnden und nachgebend-responsiven Dämpfung. Aber gerade im Gelände und auf Trails will ich es wieder haben. Dieses Gefühl meiner Kindheit. Vorfuß, kleine Tippelschritte, schnelle Wendungen. Eine Dynamik die man nur erlebt, wenn man einem runden Ball hinterherrennt- oder eben einen steinigen und wurzeligen Trail hinunter sprintet. Was ich in diesem Moment garnicht gebrauchen kann? Eine soft-weiches Kissen unter meinem Fuß, in das ich hineinsinke wie in ein durchgesessenes Federkensofa- beraubt um jegliches Gefühl für den Untergrund. 

Versteht mich nicht falsch. Ich bin Ultraläufer und als dieser schätze ich einen komfortablen Schuh, der auch noch nach mehreren Stunden funktioniert und einer müde werdenden Muskulatur  Unterstützung bietet. Aber gerade in diesen Momenten bevorzuge ich eine direkte Ansprache des Schuhs verbunden mit einer üppigen Dämpfung. Dieser Spagat zwischen Geländegängigkeit und Komfort ist das Kunststück, was es zu meistern gilt. Zwei Modelle die dies meiner Meinung nach ganz bravourös lösen, sind der Scarpa Spin Ultra und der Salomon S-Lab Ultra. 

DENIS WISCHNIEWSKI

“Ich liebe weiche und üppig gedämpfte Laufschuhe. Ich will Komfort.”

Der Benni und seine Kindheitserinnerungen. Hab ich auch, aber bringt mir heute nix. Meine Knochen sind alt und weil ich eben jene Dynamik und das Gefühl ein Kind zu sein wieder erleben möchte brauche ich, ja will ich viel Dämpfung, weiche Dämpfung. Da kommt mir das ein oder anderen HOKA Modell natürlich gerade recht, oder auch so ein Salomon Ride lässt mich eine neugewonnene Leichtigkeit erleben. Klar, auch ich will den Untergrund spüren, aber wenn mir dabei der Untergrund wie eine Eisenstange über Fuß, Bein, Becken und Rücken bis in den Hinterkopf fährt, dann weiß ich, dass solch direkte Minimal-Schuhe nicht das Richtige für mich sind. Distanzen bis 10 km laufe ich auch mit 46 Jahren noch barfuß, in Sandalen oder nahezu ungedämpften Laufschuhen. Das macht mir auch Spaß. Ab und zu. Wenn wir von Ultrastrecken sprechen, habe ich mich hingegen längst für üppige Dämpfungen entschieden, die auch weich und „fluffig“ sein dürfen. Modelle wie der Hoka One One Speedgoat 3 schaffen mittlerweile ja durchaus den Spagat, dämpfen, federn weich und sind dabei enorm stabil und kommunizieren sogar mit dem Boden.

Nennt mich Softie, nennt mich Weichei, ich liebe diesen Komfort und ignoriere dabei sogar den erhobenen Zeigefinger aller Laufanalysten und Therapeuten, die dafür streiten, dass wir in möglichst „wenig Schuh“ unsere Füße und deren schier unzählige einzelner Knochen arbeiten lassen sollen.