Porträt: Nicholas Jett

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Ein Schlagzeuger aus Los Angeles spielt mit seiner Band Terror eine sechswöchige Tournee durch die USA. Dann setzt sich Nicholas Jett ins Flugzeug, zieht sich Trailschuhe an und läuft den Transalpine Run …

Terror. Dieses Wort ist für Nicholas Jett sein halbes Leben und mehr. Nick spielt bei Terror Schlagzeug. Der Bandname verrät viel über den Stil der Combo aus Los Angeles – Hardcore, Metal, Punk. Möglichst hart, schnörkellos, keine Gitarrensoli, agressiver Gesang. Wenn man den 37-Jährigen nun aber kennenlernt, trifft man einen ruhigen und besonnen Mann, der neben der Musik eine zweite große Leidenschaft entwickelt hat.
Im Moment fokussiert sich jedoch sehr viel auf das „Leiden“. Zusammen mit Thomas Sacher läuft Nicholas in diesen Tagen den Transalpine Run. Wir befinden uns auf der dritten Etappe. Nick sitzt im österreichischen Landeck auf einer Bierbank, hat 4 Stunden 21 Minuten alpine Trails in den Beinen und wirkt von all dem, was er hier gerade erlebt: benommen.
„Ich dachte ja nach der ersten Etappe, dass ich das abbrechen werde und niemals eine Chance besteht weiterzumachen! Ich war unfassbar fertig“, resümiert das Leichtgewicht, das im letzten Jahr mit seiner Band mehr als 300 Auftritte weltweit spielte. Ausdauer hat er. Und nun wirkt er doch so, dass sein Ziel, „die krasseste Sache meines Lebens“, Wirklichkeit werden könnte. Spezifisch war seine Vorbereitung auf eine Alpenüberquerung in acht Etappen, 16.000 Hm und 273 km wahrlich nicht. „Ich war bis kurz vor dem Flug nach Deutschland mit Terror auf einer sechswöchigen USA-Tournee und habe dort fast täglich am Morgen oder Mittag vor den Shows auf dem Laufband trainiert. zwei bis drei Stunden im Gym oder im Hotel.“
Wie so eine Veranstaltung auf ihn überhaupt wirkt, möchte ich von ihm wissen. Das muss doch ein harter Kontrast sein, diese subkulturelle Musik- und Hardcore-Welt zu verlassen und plötzlich für Tage im Ausdauersport zu sein, wo die Leute garantiert andere Lebensmodelle haben. „Ja, das stimmt!“ Jett lacht. „Ich muss sagen, ich habe vor all den Teilnehmern hier einen riesigen Respekt. Was die leisten, was die dafür trainiert haben. Das bringt alle enger zusammen.“
Wie kommt nun ein Junge der „Streets of Los Angeles“ nach Oberstdorf, ins Allgäu, zum Start des Transalpine Run?
Nun ja, es waren letztlich die Sozialen Medien in ihrer Unendlichkeit und ganz im Gegensatz dazu eine kleine Szene und Beziehungen die sich über viele Jahre über die Musik entwickelten. Nicholas fiel Thomas´ Instagram-Profil auf. Die Kombination aus seiner Leidenschaft für Hardcore-Musik und Trailrunning. Thomas Sacher hatte die Idee eines gemeinsamen TAR-Starts schnell im Kopf und der Terror-Drummer war sehr schnell davon überzeugt.

Die Frage, ob Nick den 8-Etappenlauf finishen kann, wich im Laufe der Veranstaltung dann viel mehr der Frage, wie er ihn finishen kann, denn er und Thomas wurden von Tag zu Tag stärker. Am Tage des Bergsprints rannte der Amerikaner in der Einzelwertung gar auf Position 28, was bedeutete, dass die beiden am Abend mit Tagesrang 3 auf dem Podium standen.
Auch am allerletzten Tag wiederholten sie dieses Resultat und der Musiker zeigte sich von seiner “bissigen” Seite, trieb seinen deutschen Partner auf der letzten Etappe gar vor sich her. Seine einzige Angst war im Grunde lediglich, dass er auf dem Podium nicht am Tanz der Gesamtführenden teilnehmen muss. Diese Art zu tanzen muss ihm vollkommen fremd sein.
Am Ende zog die erfolgreiche Teilnahme von Nick und Thomas weite Kreise in der Community der Hardcore-Musik-Szene. Mal sehen wer Nicholas Jetts´ prominente Nachfolge wird an der Seite von Thomas Sacher.

 

Text: Denis Wischniewski

Foto: Harald Wisthaler

 

 

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