Interview mit UTMR-Chefin LIZZY HAWKER “Genau im Moment sein!”

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1. Im Jahr 2015 war die erste Ausgabe des UTMR. Es begann als dreitägiges Etappenrennen. 4 Jahre später ist es ein etabliertes Rennen mit drei möglichen Renndistanzen. Wie würdest du die Entwicklung der Veranstaltung seit 2015 beschreiben und wie wird die Entwicklung in den nächsten 5 Jahren aussehen?

Der Traum war immer, ein Rennen entlang der Tour de Monte Rosa zu veranstalten, das das gesamte Monte Rosa-Massiv umgibt. Am Anfang hatten wir keine Erlaubnis, durch Zermatt zu laufen, also starteten wir mit einem 3-Etappen-Rennen. Wir haben uns Schritt für Schritt weiterentwickelt, bis wir den Punkt erreicht haben, an dem wir uns gerade befinden – mit einem 100-Meilen-Rennen und einem 4-Tage-Etappenrennen über die gesamte Strecke und einem 100-Kilometer-Rennen über drei der Hauptpässe. Unser Ziel ist es, weiterhin eine wirklich positive Erfahrung für alle unsere Läufer und Freiwilligen zu machen, die Tiefe des Feldes zu erhöhen, den UTMR als ein Rennen zu etablieren, das die Menschen wirklich gerne machen wollen, und dafür zu sorgen, dass das Rennen nachhaltig ist. Wir können in den kommenden Jahren so weitermachen.

2. du hast den UTMB 5 Mal gewonnen. Jetzt bist du selbst Veranstalter eines Rennens, das die zweithöchste Bergkette der Alpen umrundet. Warum ist die UTMR mehr als ein Backup-Plan für Läufer mit Pech in der UTMB-Lotterie?

Es ist eigentlich eher ein Follow-On-Plan für Läufer, die UTMB absolviert haben! Es ist wilder und ~ 30% härter als der UTMB, also definitiv kein 100-Meilen-Rennen für Anfänger. Aus diesem Grund freuen wir uns, auch das Etappenrennen zu veranstalten und mit weiteren Mitgliedern der Trailrunning-Community zu teilen.

3. Die obligatorische Ausrüstungsliste auf der UTMR-Website ist sehr detailliert. Du bist berühmt für deine Expeditionen in Nepal. Würdest du mir zustimmen, dass das Rennen, das du gebaut hast, eher ein Abenteuer als ein Lauf ist?

Die obligatorische Ausrüstungsliste ist umfassend, aber nicht umfassender als andere vergleichbare Rennen wie UTMB, Tor des Géants usw. Es ist definitiv ein alpines Rennen – wilder als UTMB und mit größeren Entfernungen zwischen den Stützpunkten (einfach aufgrund der Logistik und des Zugangs zum Bergtäler rund um den Monte Rosa). Es ist aber auch definitiv ein unterstütztes Rennen, das offen für ein Wettbewerbsfeld ist. [Meine Expeditionen in Nepal hat eine ganz andere Ferne!]

4. Läufer, die bei der Veranstaltung teilnehmen möchten, haben die schwierige Entscheidung: Die gesamte Runde in einem oder ein Etappenrennen in vier Tagen. Wie würdest du die unterschiedlichen Herausforderungen und Anforderungen für diese beiden Optionen beschreiben?

Die beiden Rennen haben eine identische Route, bieten aber völlig unterschiedliche Erfahrungen! Beide fordern auf ihre Weise heraus – die 100 Meilen sind hart, aber das Etappenrennen ist auch keine einfache Option. Bei Etappenrennen müssen Sie eine Strategie für die Erholung zwischen den Etappen ausarbeiten, damit Sie Tag für Tag so hart (oder einfach) fahren können, wie Sie möchten. Natürlich können Sie auch die gesamte Strecke bei Tageslicht genießen, neue Leute und die Kameradschaft kennenlernen und Pizza usw. essen! Tatsächlich bieten wir Pizza an einem der italienischen Checkpoints auch für den 100-Meilen-Läufer an, damit sie nicht komplett verpassen;)

5. Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Du kennst den Kurs sehr gut. Er war dein täglicher Trainingskurs. Die Berglandschaft ist atemberaubend. Gibt es einen besonderen Ort auf der Strecke, an dem Läufer anhalten müssen und einfach nur genießen sollten?

Ich nehme mir gerne einen Moment Zeit auf den Hochgebirgspässen, wo ich zwischen sehr unterschiedlichen Tälern hin und her laufe, um zu schätzen, woher ich komme und was vor mir liegt. Es bedeutet nicht zwangsläufig, mit dem Laufen aufzuhören, sondern nur in meiner Bewegung vollständig präsent zu sein und im Moment genau dort zu sein.

Infokasten UTMR

Der UTMR wurde 2015 von Lizzy Hawker und Richard Bull ins Leben gerufen. Zunächst ein reines 3-Tages-Rennen über 116 km. Im darauffolgenden Jahr konnte diese Strecke auch als Ultra am Stück gelaufen werden. 2017 war dann Premiere für die komplette Umrundung des Monte-Rosa-Massives. Nonstop oder in vier Etappen.
Kommenden September werden wieder zwei Distanzen angeboten: Die große „Ultra Tour Monte Rosa“ mit 170 km (11300 hm) von Grächen nach Grächen – am Stück sowie als 4-Tages-Rennen. Und ein neuer Ultra über 100 km von Gressoney nach Grächen. Die Teilnahmegebühren liegen bei 234 € bzw. 296 € für die Ultras und bei 730 € für das Mehrtagesrennen inkl. Unterkunft und Verpflegung.
Der UTMR-Start- und Zielort Grächen (Schweiz) liegt im Mattertal auf 1600 m – und ist problemlos per Auto oder Post-Bus zu erreichen. Anmerkung für Camper: Es gibt keine ausgewiesenen Campingmöglichkeiten. Am besten vorab über das Tourismusbüro einen privaten Stellplatz besorgen. Für die Anfahrt nach Gressoney (Italien) – dem Startort des 100 km-Ultras – muss die komplette Gebirgskette umfahren werden. Das bedeutet über 300 km Fahrt von Grächen aus – und lässt erahnen, welch enormer Aufwand hinter der Organisation und Logistik dieses Rennens steckt.

 

Ultra Tour Monte Rosa

 

Bouddha Stupa in Kathmandu

 

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