Flow ballert Weltrekord!

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Deutlich unterboten hat Florian Neuschwander heute vormittag den Weltrekord über 100 Kilometer auf dem Laufband. Mit 6 Stunden 26 Minuten und 14 Sekunden blieb er 13 Minuten unter der vorherigen Bestzeit des US-Läufers Mario Mendoza.

Text: Benni Bublak  Bilder: Garmin

Florian Neuschwander zieht in die Berge. Das war die große Schlagzeile vor gut einem Jahr. Zumindest für das Trail Magazin war das natürlich interessant, wenn sich der vielleicht schnellste aber mit Sicherheit bekannteste Ultraläufer Deutschlands, den alpinen Trails annähert. Aber am wohlsten fühlt sich Flo doch weiterhin in der Ebene. Zumindest vorläufig. Schon im Februar letzten Jahres war er kurzzeitig Weltrekordhalter über die 50 Kilometer auf dem Laufband. Nun also die 100 Kilometer. Die Königsdisziplin der Ultraläufer. Man könnte meinen über 6 Stunden an Ort und Stelle zu laufen, würde irgendwann monoton werden. Doch diese Erfahrung kann Flo Neuschwander heute nicht teilen: “Das war eigentlich ziemlich kurzweilig. Der Zuspruch und die ganzen Nachrichten aus der Community haben mich wahnsinnig gepusht. Das war einfach richtig geil. Mindestens die Hälfte der Leute, die da Nachrichten geschrieben und Bilder geschickt haben, kannte ich ja persönlich. Das hat mich echt gefreut.” Tatsächlich sah man, trotz der Anstrengung, immer wieder ein Lächeln in Flo’s Gesicht auftauchen. Mehr als 10.000 Nachrichten erreichten ihn während seines Rekordlaufs. Die Lauf-Community und Flow– es zeigte sich erneut, dass dies eine ziemlich einzigartige und in diesem Fall auch Erfolgs-garantierende Symbiose ist.

Wer Flo’s Training in letzter Zeit verfolgt hat, wusste dass der Garmin-Athlet in der Form seines Lebens ist. Das wusste auch er selbst und gestand ein, dass neben dem Weltrekord sogar noch ein anderes Ziel im Hinterkopf herumspukte. “Klar hab ich zwischendurch mal an den Deutschen Rekord (6:24:29; Kazimierz Bak, 1994) gedacht. Aber ich habe ein bisschen die Oberschenkelrückseite gespürt und bin daher auf Nummer sicher gegangen und habe das Tempo etwas reduziert. Da der Rekord sowieso nicht offiziell gewesen wäre, ist das auch garnicht weiter schlimm.”  Schließlich müssen ja noch ein paar Ziele für die Zukunft übrig bleiben. 2022 wird es eine 100 Kilometer Weltmeisterschaft in Deutschland (Bernau bei Berlin) geben, weiß auch der Wahl-Chiemgauer. Bei 100 Kilometer ist für Florian Neuschwander aber noch lang nicht Schluss. “Der 24 Stunden Lauf wird wohl ein Projekt für die nähere Zukunft sein. Ich will einfach wissen, wie weit ich in 24 Stunden laufen kann. Ob das im Rahmen eines Wettkampfes oder in einem anderen Format sein wird, weiß ich noch nicht.”

Und die Trails? “Ich will mich auf jedenfall in nächster Zeit auch auf den Trails zeigen. Der Western States steht auf jedenfall noch auf meiner Agenda. Aber auch beim UTMB will ich in ein paar Jahren an den Start gehen. Als Ultraläufer darf man das einfach nicht verpassen.” An Motivation und Zielen mangelt es dem 39-jährigen also definitiv nicht. An den Laufband-Weltrekord über 100 Kilometer kann er nun schon mal einen Haken setzen. Ob Trails, Asphalt oder ein an Ort und Stelle rotierendes Band. Eines steht fest: Langweilig wird es mit Florian Neuschwander in Zukunft sicherlich nicht werden.