Fastest Known Times: 5 Athleten erzählen von ihren Erlebnissen!

1992 0

Im aktuellen Trail Magazin (05/2020) findet ihr eine ausführliche Reportage zum Phänomen Fastest Known Times. Unter anderem haben wir mit fünf Athleten und Athletinnen über ihre FKT Projekte gesprochen. Nachfolgend findet ihr ergänzend zum Heft die kompletten Interviews mit Marina Kolassa, Jörg Scheiderbauer, Simone Schwarz, Marc Schulze und Matthias Krah. Viel Spaß beim Lesen.

 

Marina Kolassa und Ole Evers, Hermannshöhen 226 km, 34:55 h

Dass man etwas verrückt (im positiven Sinne) sein muss, wenn man sich vorgenommen hat alle „Top Trails of Germany“ zu laufen, steht außer Frage. Schließlich sind das insgesamt über 3.700 Kilometer auf über 14 Weitwanderwegen. Marina Kollassa sind diese Dimensionen allerdings nicht fremd, schließlich ist die Bottroperin trotz ihrer jungen 30 Jahre schon über 60 Ultramarathons gelaufen, unter anderem den 320 Kilometer langen Wibolt. Für Projekt Nr. 1 von 14 (die Hermannshöhen) hat sie sich spontan Verstärkung geholt. Ole Evers, den sie erst wenige Wochen zuvor bei der Brocken Challenge kennen lernte, lief unter anderem schon die Paddy Buckley Round in Wales und lässt sich auch sonst kein Laufprojekt entgehen. Inzwischen ist Marina schon bei „Top Trail“ Nummer vier (Hermannshöhen, Rothaarsteig, Hexenstieg und Heidschnuckenweg) angelangt.

(c) Carsten Brake

 

 

Welchen Stellenwert haben eigene Projekte (FKTs) für dich im Vergleich zu klassischen Wettbewerben?

Das ist eine gute Frage. Im Prinzip haben eigene Projekte den gleichen Stellenwert wie klassische Wettkämpfe für mich, da ich in der Regel Wettkämpfe laufe, um über mich hinauszuwachsen.Vor allem bei den langen Ultradistanzen ist das so, dass ich über meine persönliche Grenzen kommen möchte. Hier bieten sich eigene Projekte noch als sehr spannend an, da man sich eben auch um die Verpflegung und evtl. Übernachtungsmöglichkeiten kümmern muss. Im Moment fehlen mir Wettkämpfe überhaupt nicht und ich werde vermutlich noch das ein oder andere schöne Projekt machen.

 Welchen Bezug hast du persönlich zum Hermannshöhen Wanderweg? Was zeichnet die Strecke aus und warum hast du sie gewählt?

Ehrlich gesagt kannte ich die Strecke vor ein paar Monaten gar nicht. Ein guter Freund und ich wollten dieses Jahr den Hermannsweg laufen, das sollte sein erster 100 Meiler werden.Leider war es ihm aufgrund von Corona nicht möglich zu kommen, sodass ich überlegt hatte, das ganze dann allein durchzuziehen. Zufälligerweise bin ich dann auf die Internetpräsenz der Top Trails of Germany gestoßen, auf der die Hermannshöhen auch verzeichnet sind. Also schnell umentschieden und anstelle der knapp 156km dann die 226km gemacht. Mein Ziel ist es, alle Top Trails of Germany zu laufen.

Wie hast du dich auf dieses Projekt vorbereitet? Und woher hast du deine Motivation gezogen?

Die meisten meiner Freunde würden an dieser Stelle sagen, dass ich keine Motivation benötige, da ich eine Art Duracell Hase bin. Nein, Spaß beiseite, eigentlich hätte ich Anfang April und Ende Mai jeweils ein 200km Rennen bestritten, sodass ich gut im Training war, sozusagen. Ein neues Ziel zu haben, bedeutete für mich, dass das ganze Training nicht umsonst war. Und genau das hat mich motiviert weiterzumachen. Außerdem hatte ich in der Höchstphase der Wettkampfabsagen viele Freunde und Bekannte, denen es echt schlecht ging durch die vielen Absagen, sodass ich diese durch mein Vorhaben motivieren wollte Vergleichbares zu tun.

 Du warst nicht alleine unterwegs, sondern mit deinem Laufpartner Ole Evers? Wie kam es dazu?

Witzige Geschichte, da wir uns erst dieses Jahr bei der Brocken Challenge kennen lernten. Aufgrund einer kleinen Monatskilometerchallenge schrieben wir kurz und da machte ich ihn auf mein Vorhaben aufmerksam. Er liebt eigene Projekte, sodass es nicht lange dauerte, dass er sich entschloss mitzulaufen. 

 Was waren die größten Schwierigkeiten mit denen ihr während des Laufs konfrontiert wart?

Hätten wir unseren Supporter, Christian Arnsberg, nicht gehabt, wäre vermutlich das ein oder andere essenstechnisch richtig in die Hose gegangen, da in dieser Zeit Gaststätten noch geschlossen hatten (er hat uns am Abend sogar Pizza gebracht). Am zweiten Tag hatten wir mit stundenlang andauernde Regenschauern zu kämpfen. Das Füße abtrocknen und immer wieder Klamotten wechseln am “Self-VP” hat geholfen. Des Weiteren sind wir einmal vom Hauptweg abgekommen und eine Parallele gelaufen. Dies passierte genau dann, als uns ein Freund begleiten wollte. Wir haben drei Versuche gebraucht, bis wir nicht mehr aneinander vorbei liefen (wohlbemerkt es war nachts).

 Du läufst unglaublich lange Strecken und das nur in Sandalen? Warum?

Ich kann unheimlich gut in Sandalen laufen. Meine Füße schwellen bei Wärme immer enorm an, sodass viele Schuhe für mich irgendwann zu eng werden. Mit den Sandalen, die nebenbei sehr bequem sind, bekomme ich weniger Blasen und habe mehr Fußfreiheit.

 

Jörg Scheiderbauer Westweg 280 km, 8000 hm, 47:15 h

Jörg Scheiderbauer ist eigentlich Triathlet. Ein überaus Ambitionierter dazu. Dieses Jahr wollte er Ironman Weltmeister in seiner Altersklasse werden. Da Laufen bis dato seine schlechteste Disziplin war, hatte er im Winter viel Zeit in das Lauftraining investiert. Das Virus kam und die Notwendigkeit Ziele kreativ umzugestalten. Der Westweg liegt quasi vor Jörgs Haustür und war eine willkommen Gelegenheit die gute Laufform auszunutzen…

(c) Jörg Scheiderbauer

Welchen Stellenwert haben eigene Projekte (FKTs) für dich im Vergleich zu klassischen Wettbewerben?

Ehrlich gesagt kannte ich die Abkürzung FKT vor meinem Westweg unter 48 Stunden Projekt noch gar nicht. Ich habe erst nach meinem Lauf zum ersten Mal davon gehört. Mir ging es auch nicht um einen Rekordversuch, sondern die Strecke von 280km und 8.000 Höhenmetern unter 48 Stunden zu laufen. Ich habe ja dieses Projekt als Spendenlauf organisiert für den Förderverein für Krebskranke Kinder e.V.. Durch diese Aufmerksamkeit konnte ich Spendengelder in Höhe von über 18.000 Euro sammeln. Was mich gerade in dieser schwierigen Zeit natürlich sehr stolz macht! 

Welchen Bezug hast du persönlich zum Westweg?Warum hast du diese Strecke gewählt?

Der Westweg liegt so zusagen direkt vor meiner Haustür ca. 20-25km entfernt. Ich wollte für mein Projekt eine Strecke, für die ich nicht reisen muss , was ja auch nur eingeschränkt möglich ist gerade. Das war auch der Grund, warum ich lediglich bis zur Schweizer Grenze gelaufen bin und nicht den kompletten Westweg, der in Basel endet und 5 Kilometer mehr hat. Den Westweg am Stück zu laufen, hat mich immer schon gereizt. Aufgrund der der Topografie aber auch wegen des abwechslungsreichen Terrains. 

Wie hast du dich auf dieses Projekt vorbereitet? Und woher hast du deine Motivation gezogen?

Ich habe gerade über die Wintermonte sehr viel in mein Lauftraining investiert, da ich dieses Jahr versuchen wollte, Ironman Weltmeister in meiner AK zu werden und das Laufen bis dato immer meine schlechteste Disziplin war. Als dann aber im März klar war, das es in absehbarer Zeit keine Wettkämpfe geben wird, habe ich mich dann noch einmal gezielt auf das Projekt Westweg unter 48 Stunden vorbereitet. Eine Schlüsseleinheit war beispielsweise, zwei Marathons an einem Tag zu laufen, um den Ermüdungseffekt zu simulieren. Den ersten Marathon bin ich vormittags um 06:00 Uhr gestartet, flach mit zügigem Tempo in 02:52 h. Den zweiten dann nach einer dreistündigen Pause in 04:30 h mit ca. 1.500 Höhenmetern in technisch schwerem Gelände. 

Was waren die größten Schwierigkeiten mit denen du während deines Laufes konfrontiert warst? / Wie hast du sie gemeistert?

Das größte Problem hatte ich bereits nach 120km und ca. 3.000 Höhenmetern. Da hatte ich mir einen leichten Sonnenstich zugezogen. Ich führe das darauf zurück, dass ich keine geschlossen Kappe aufgezogen hatte sondern nur ein Stirnband. Da hatte ich wirklich sehr große Problem mit leichtem erbrechen. Nach einer 15 minütigen Pause und einem Nickerchen konnte ich mich wieder berappeln. Allerdings musste ich danach meine Marschtabelle komplett umstellen. Ich habe dann beschlossen, eine längere Pause von ca. 5 Stunden nach ca. 135 km zu machen. Danach ging es mir eigentlich dann wieder ziemlich gut!

Du kommst vom Triathlon und Mountainbike Sport. In der Ultrarunning Szene gab es einige überraschte Stimmen ob deiner phänomenalen Leistung, zumal du bisher keine Ultralauf Wettkämpfe gelaufen bist. Wie sicher warst du dir, dass du den Westweg unter 48 Stunden laufen kannst? 

Aus der Triathlon Langdistanz kenne ich mich mit Belastungen über lange Zeit ja schon etwas aus. Das Ziel war für mich realistisch, aber auf der anderen Seite war ich mir natürlich sehr unsicher, da ich ja noch nie so eine extrem lange Strecke gelaufen bin. Da kann ja sehr viel Unvorhergesehenes passieren. Aber als es mir nach meinem Durchhänger bei Kilometer 120 wieder besser ging, war ich mir sicher, dass ich das jetzt schaffe! 

Hast du vor weitere Ultraläufe zu laufen? Vielleicht auch mal einen Wettbewerb?

Auf jeden Fall! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und war für mich auch ein einzigartiges Erlebnis. Man wird mich sicherlich bei dem einen oder anderen Ultralauf Wettkampf in den nächsten Jahren sehen. Allerdings ist mein sportlicher Fokus 2021 auf die Ironman WM in Hawaii gerichtet. Danach könnte ich mir sogar vorstellen, ganz in die Ultralaufszene zu wechseln! 

 

Simone Schwarz Zweitälersteig 108 km 4120 hm 13:57 h

Simone Schwarz ist leidenschaftlich gerne bei Wettkämpfen unterwegs, auch weil sie die „ganz besonders aufgeschlossene und familiäre Stimmung der Trailrunning Community“ so liebt. Für eigene Projekte blieb da vor Corona kaum Zeit. Jetzt wollte sie eigentlich den Kandelhöhenweg in ihrer Heimat dem Schwarzwald laufen. Bei einem Trainingslauf stieß sie zufällig auf das Symbol des Zweitälersteigs. Es stellte sich heraus, dass dieser um einiges wilder und technischer ist als der Kandelhöhenweg, was die Entscheidung vereinfachte. Da sie bei Wettkämpfen schon einige Male 100 Kilometer gelaufen war, wusste sie was sie erwartet. Und dennoch war es ein wenig anders…

Welchen Stellenwert haben eigene Projekte (FKTs) für dich im Vergleich zu klassischen Wettbewerben?

Ich liebe Wettkämpfe, ganz klar. Nichts ersetzt das Adrenalin, die Motivation sich zu pushen und die Freude über Erfolge. Am meisten fehlt mir aber diese ganz besonders aufgeschlossene und familiäre Stimmung der Trailrunning-Community. Die Idee für lokale Projekte – mit oder ohne FKT-Ambitionen – hatte ich schon länger, aber wenn man so gern und häufig zu Wettkämpfen unterwegs ist, dann verschiebt man derlei Unternehmungen gerne auf später. Insofern war und ist die Coronazeit eine riesige Chance, direkt vor der Haustüre neue Wege zu entdecken. Das war mein erstes Projekt dieser Art, ich habe mir auch kein Zeitziel gesetzt, wollte das Ganze jedoch schon flüssig laufen und gut vorankommen. Es machte Spaß, fühlte sich ein klein wenig wie ein Wettkampf an, vom Aspekt des gemeinsamen Erlebnisses her, da ich Teile der Strecke mit Jens Lukas und einer Freundin aus Freiburg teilen durfte. Der Start im Dunkeln, mein Freund, der unterwegs „Verpflegungsposten“ war, all das war so ein bisschen wie im Rennen. Am Ende merkte ich, trotz einmal Verlaufen, dass ich knapp unter 14 Stunden bleiben konnte, wenn ich nochmal den Rhythmus erhöhen kann. Da war dann jeglicher Schmerz verflogen und ich genoss es, auf das Ziel „zuzufliegen“. Aber es fehlt dann halt doch dieser Rahmen eines Wettkampfes, um sich auch unterwegs nochmal mehr zu pushen.

Wie hast du dich auf dieses Projekt vorbereitet? Und woher hast du deine Motivation gezogen?

 Speziell vorbereitet habe ich mich nicht. Normalerweise hätte ich einen gut gefüllten Rennkalender gehabt. Als Corona kam, hatte ich schon zwei Rennen im Elsass gemacht, darunter den Trail du Petit Ballon. Die Form war gut, die Motivation blieb bestehen. Es mag auch daran liegen, dass ich durch meine private Situation (Freund Franzose, Verein im Elsass) quasi ständig damit konfrontiert war, wie schwierig es für meine Freunde dort und die Familie meines Freundes war, keine Bewegungsfreiheit zu haben, nicht mehr in Wälder und Berge zu dürfen und immer mit Kontrollen und auch Strafen zu rechnen. So schräg es klingt, die Dankbarkeit dafür, so weit und lange laufen zu „dürfen“, wie man wollte, beflügelte mich sehr.

Du hast die vorherige FKT eines männlichen Läufers um 4 Stunden geschlagen. Wir nehmen an, dass so schnell keine Frau diese super-starke Zeit schlagen wird. Ein männlicher Läufer schon eher. Funktionieren FKTs über die Geschlechtergrenzen hinaus oder denkst du es sollte wie bei Rennen unbedingt zwischen Frauen- und Männerwertungen unterschieden werden?

Ich denke, dass ich weitere Läufer dazu motiviert habe, diese schöne Strecke zu laufen, und die Zeit wird damit auch bald „fällig“ sein, das ist ja auch das Witzige an FKTs, dass man sich gegenseitig inspiriert und herausfordert. Ab das nun Mann ioder Frau ist.… Ich finde es natürlich wichtig, dass es eine Damenwertung gibt, auch wenn es zunächst so aussieht, als wären solche Rekorde oder auch Siege bei manchen Rennen „geschenkt“. Aber irgendwo muss man anfangen und ich fände es schön, wenn mehr Frauen sich sowohl für persönliche Projekte, egal welcher Streckenlänge, als auch für Rennen interessieren. Dann steigt auch ganz allmählich die Dichte, wobei ich persönlich gerade seit Corona die Wahrnehmung habe, dass immer mehr Frauen laufend, auf dem Rennrad und dem Mountainbike in der Natur unterwegs sind. Mir ist jedoch eines wichtig zu sagen: ich freu mich über jede Frau, grundsätzlich jede Person, die sich traut, etwas Neues auszuprobieren und sich nicht von irgendwelchen Körperidealen, Dresscodes und Materialschlachten ausgegrenzt fühlt. Vom Triathlon kommend schätze ich am Traillaufen gerade die Einfachheit, die Tatsache, dass Zeiten und Ausrüstung keine so große Rolle spielen. Das kann eine große Chance für die Zukunft sein, und ob FKT oder nicht, das sind alles nur Plaketten, „nice to have“, aber meine Finishermedaillen verstauben auch in einem Schuhkarton, die Erlebnisse bleiben im Herzen. 

 

Matthias Krah, Rheingauer Klostersteig 29,5 km 920 hm 2:17h

Das FKT nicht nur lang und episch, sondern auch schnell und spannend sein kann, bewies Matthias Krah mit seinem Lauf auf dem Rheingauer Klostersteig. Matthias hält mehrere FKTs in Deutschland (u.a. Urwaldsteig Edersee) und freut sich sehr über die steigende Bedeutung von FKTs….

Welchen Stellenwert haben eigene Projekte (FKTs) für dich im Vergleich zu klassischen Wettbewerben?

Es freut mich sehr, dass die Bedeutung und Resonanz auf FKTs und ähnliche Projekte so deutlich steigt. Und das nicht nur, weil derzeit kaum Wettkämpfe stattfinden. Dadurch, dass immer mehr Läufer*innen FKTs oder Fernwanderwege auch “einfach nur so” laufen, wird das Konzept sichtbarer. Die Routen folgen häufig alten (Handels-) Wegen oder haben einen anderen kulturhistorischen Bezug. Das ist schon sehr reizvoll und dadurch wird ein Lauf nicht nur ein Wettlauf mit der Zeit, sondern eine echte Reise.

Hast du einen persönlichen Bezug zum Rheingauer Klostersteig? Was zeichnet die Strecke aus und warum hast du sie gewählt?

Den Rheingauer Klostersteig habe ich mir rausgesucht, weil meine Frau gerade hochschwanger ist – ich freue mich schon sehr auf die beiden kleinen – und deshalb epische Alpenabenteuer einfach nicht drin sind. Der Klostersteig war sowohl von der Anfahrt als auch von der Länge noch in einem vertretbaren Rahmen. Zum anderen hat mich die Strecke sportlich sehr gereizt. Denn die vorherige Bestzeit, die Markus Heidl und Johannes Licht erst kurz zuvor aufgestellt hatten, war richtig gut. Ich wusste, dass es nicht nur ein Ablaufen der Strecke würde, sondern ich richtig Gas geben musste.

Mit knapp 30 Kilometern ist der Rheingauer Klostersteig eher kurz. Du hast die Zeit auch nur knapp geschlagen. War das Feeling vielleicht sogar ähnlich wie bei einem klassischen Wettkampf?

Das Feeling war tatsächlich wie in einem Rennen. Das hab ich nach der langen Zeit richtig genossen. Ich hatte eine Zwischenzeit als Referenz für den ersten großen Anstieg, die ich knapp unterbieten konnte. Im Downhill habe ich es dann laufen lassen. Auf den Strava Segmenten lässt sich das gut nachvollziehen. Naja, das war dann doch des Guten zu viel, denn meine Beine waren dann ziemlich abgeschossen. Die zweite Hälfte war richtig hart und ich konnte mir nie sicher sein, die FKT zu knacken. Am Ende stellte sich auch das bekannte mentale Ringen ein: aufgeben und auslaufen oder weiter durchziehen mit dem Funken Hoffnung, dass es noch klappt. Und es hat dann ja auch knapp gereicht. Der letzte Downhill hat mich gerettet, obwohl ich nur wenige Meter vor dem Ziel noch in einen falschen Innenhof abgebogen bin.

Was waren die größten Schwierigkeiten mit denen du während deines Laufes konfrontiert warst? / Wie hast du sie gemeistert?

Trotz guter Beschilderung ist die Wegfindung immer eine Herausforderung für mich. Gerade, wenn es wirklich auf Sekunden ankommt. Bei Kilometer 13 bin ich für 150 Meter auf der Straße gelaufen anstelle des parallelen Feldwegs. Kurz überlegt, umgekehrt und dann nochmal den korrekten Weg. Das hat natürlich Zeit gekostet, aber muss ja sein. Was dabei dann doch fehlt, ist das Kopf an Kopf mit anderen zusammen zu laufen.

Planst du dieses Jahr und in Zukunft noch weitere FKTs oder Projekte?

Eine Bucket-List existiert dazu. Erstmal muss ich jetzt schauen wie es sich mit dem Familienzuwachs einpendelt. Zwei Dinge, die mir für dieses Jahr noch im Kopf herumspuken: Der Eselsweg mit 110 km durch den Spessart. Eine mittelalterliche Handelsroute, die der Wanderweg schlechthin bei mir in der Region ist und für Mountainbiker ein echter Klassiker. Und dann würde mich die Umrundung des Dachstein sehr reizen.

 

Marc Schulze Malerweg 112 km  3500 hm 14:42 h  

Marc Schulze ist ein außerordentlich schneller Läufer. Seine Bestzeit über 10 Kilometer liegt bei unter 30 Minuten. Auch den Rennsteiglauf hat der Wahl-Dresdner schon gewonnen. Trotz der räumlichen Nähe war er zuvor selten in der Sächsischen Schweiz. Den Malerweg zusammen mit Freunden zu laufen war dann auch eher eine spontane, von großen Ambitionen befreite, Idee: „In meinem Kopf war das eher so eine Art Männertagsausflug: Laufend möglichst lange Spaß haben…

Welchen Stellenwert haben eigene Projekte (FKTs) für dich im Vergleich zu klassischen Wettbewerben?

Ehrlich gesagt noch keinen großen Stellenwert. Nach meinem Lauf sagte mir jemand ich solle meinen Lauf bei fastestknowntime.com hochladen. Vorher kannte ich das noch gar nicht.

Welchen Bezug hast du persönlich zum Malerweg? Was zeichnet die Strecke aus und warum hast du sie gewählt?

Seit Beginn meines Studium 2004 lebe ich hier in Dresden, unweit der Sächsischen Schweiz. Dennoch war ich in diesen 16 Jahren nur selten dort. Den Malerweg kannte ich als Wanderroute nur vom hören sagen und nur Gutes. Es ist landschaftlich sehr schön. Es gibt etliche Tafelberge mit wunderbaren Aussichten, wenn das Wetter passt. Ein Freund von mir fragte mich letztes Jahr, ob wir mal den Malerweg laufen wollen. Ohne das sonderlich ernst zu nehmen sagte ich spontan: “Also wenn wir den Laufen, dann komplett und an einem Tag.“ Somit war hier der Gedanke an das Vorhaben schon mal geboren.

Wie hast du dich auf diesen FKT Versuch vorbereitet? Und woher hast du deine Motivation gezogen?

Es gab eigentlich keine ernsthafte Vorbereitung. Etwa eine Woche vor dem Lauf habe ich mit einem Lauffreund telefoniert und ich erwähnte beiläufig die Sache mit dem Malerweg. Gegen meine Erwartungen war er von der Idee sehr angetan und so hielten wir daran fest. Im Laufe der nächsten Tage fragte ich noch ein paar weitere Läufer, ob sie darauf Lust hätten. In meiner nun startenden Planung war das eher ein längerer Männertagsausflug: Laufend möglichst lange Spass haben. Im Rahmen des Rennsteiglauf@Home bin ich mit ein paar Freunden 5 Tage zuvor 42km gelaufen, um eine Laufweste zu testen, da ich vorher noch nie mit einer gelaufen bin. Aus heutiger Sicht bin ich an die Sache ziemlich naiv herangegangen, da ich eigentlich auch ohne Fremdverpflegung durchkommen wollte. Zum Glück waren einige meiner Mitläufer da klüger, sonst hätte ich an dem Tag schon bei 68km aufhören müssen.

Du bist ein sehr schneller Läufer, der bisher eher Distanzen sub Marathon gelaufen ist. War das dein erster Lauf über 100 Kilometer? Wie bist du diese neue Herausforderung angegangen?

Ja, das war tatsächlich mein ersten Lauf über 100km und dazu noch 3500HM. Durch die Corona-bedingten Ausfälle von Wettkämpfen habe ich endlich mal Zeit für so einen “Quatsch”. Ich bin mit viel Spass an die Sache herangegangen. Ich freute mich, dass ich nicht alleine war und viele schöne Aussichten genießen durfte. Aber wir hatten immer eine Exit-Strategie. Der Malerweg verläuft eigentlich immer in der Nähe der Elbe und entlang der Elbe fährt die S-Bahn. Also sollte einer von uns keine Kraft mehr haben, wäre immer ein sicherer Heimweg gewährleistet. Zum Ende hin hat sich unsere Gruppe etwas verteilt, weil jeder unterschiedlich mit der Belastung zurecht kam. Aber neben mir sind an dem Tag auch noch zwei weitere Läufer den gesamten Malerweg gelaufen.

Planst du dieses Jahr und in Zukunft noch weitere Ultraläufe bzw. Projekte?

In der Tat ist da noch etwas in Planung, Corona macht es möglich. Der Forststeig (durch die sächsische und böhmische Schweiz). Etwas weniger Höhenmeter und etwas weniger Strecke, aber bestimmt genauso schön wie der Malerweg. Vielleicht geht es irgendwann noch mal auf den Malerweg. Denn bei der aktuellen FKT ist bestimmt noch 1-2h Luft. Ich denke, wenn man das ordentlich plant und die Pausen kurz hält, kann man die 112km und 3500HM in unter 12h schaffen.

 

 

Keine Kommentare on "Fastest Known Times: 5 Athleten erzählen von ihren Erlebnissen!"

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.