Fast NNormal: Kilian Jornet holt zehnten Triumph in Zegama

In unseren aktuellen Race-News beschäftigen wir uns natürlich ausführlich mit dem großen highlight des Wochenendes. Wer es nicht schon ausführlich per Livestream verfolgt hat, dem fassen wir nochmal die Geschehnisse des Auftakts der Golden Trail World Series in Zegama zusammen. Außerdem blicken wir kurz nach Madeira, ins Ötztal und nach Annecy.

Zegama

Es war die versprochene große Show. Nach zwei Jahren Abstinenz kehrte das größte Spektakel unseres Sports zurück. Mehr als 15.000 Zuschauer verwandelten den Marathon Kurs im spanischen Baskenland erneut in eine große Partymeile. Auch die Athleten lieferten. Nicht zu warmes, aber durchgängig sonniges Wetter sorgten für perfekte Bedingungen. 

Bevor wir aber über Kilians Auftritt im kleinen Schwarzen sprechen, müssen wir über das Frauenrennen berichten. Denn die Leistung von Nienke Brinkmann kam nicht nur einer Wachablösung gleich, sondern markierte auch so etwas wie ein komplett neues Leistungsniveau im Frauen-Trailrunning. Wachablösung, weil die die Rennen der Golden Trail Series in den letzten Jahren vor allem von einer Frau dominiert wurden– der Schweizerin Maude Mathys. Letztes Jahr kam dann erstmalig der Gedanke auf, dass ihr jemand gefährlich werden könnte. Bei Sierre Zinal erreichte die 27 Jahre junge Niederländerin nur 2 Minuten nach der erfahrenen Salomon-Athletin das Ziel. Das die Nike Athletin auf eine unglaubliche Kapazität bauen kann, bewies Brinkmann dieses Frühjahr, als sie mit 2h22 einen neuen niederländischen Rekord im Marathon lief. Nur zwei Monate später stand sie also in Zegama an der Startlinie und zerstreute jeden Zweifel, ob sie in der Lage ist den Speed von der Straße auch auf diesen technisch anspruchsvollen Trailmarathon zu übertragen. War sie. Und das nicht zu knapp. Von Beginn an lief sie an der Spitze, ließ Maude Mathys und den anderen Konkurrentinnen (darunter auch so große Namen wie Courtney Dauwalter, Emelie Forsberg und Sara Alonso) keine Chance und pulverisierte den alten Streckenrekord um ganze 18 Minuten. Was für eine Leistung! Unvorstellbar zu was die in Zürich lebende Läuferin noch in der Lage zu sein scheint, wenn sie auch noch ihre Qualitäten im technischen Gelände und im Downhill verbessern würde. Mit 4h26 erreichte die zweite Maude Mathys zwar zehn Minuten hinter der Siegerin das Ziel, blieb aber genauso wie die wenige Sekunden nach ihr einlaufende Drittplatzierte Sara Alonso (ein weiteres erst 23 Jahre junges Trail-Talent) noch unter dem alten Streckenrekord. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich das Duell Mathys/Brinkmann in den kommenden Golden Trail Rennen entwickelt. Zumal die Schweizerin nach dem Rennen angab nicht in Top Verfassung an die Startlinie gegangen zu sein, da sie vor und während des Rennes an einer Sehnenentzündung litt. Ultraläuferin Courtney Dauwalter genoss ihr Debüt bei diesem legendären Rennen sichtlich und belegte am Ende Platz 10. 

Das Männerrennen zeichnete sich insbesondere durch ein wahnsinnig dichtes Feld aus. Remi Bonnet, Davide Magnini, Thibaut Baronian, Nadir Maguet, Manuel Merrilas, Dakota Jones, Max King, Elhousine Ellazaoui– um nur einige Wenige zu nennen. Und dennoch gab es einen klaren Favoriten. Nach seiner Trennung vom langjährigen Partner Salomon, lief Kilian erstmalig im Dress seiner eigenen Marke NNormal. Endlich konnten wir dank Nahaufnahmen die neuen Schuhe bewundern, die die drei NNormal Athlet:innen Emelie Forsberg, Dakota Jones und Kilian Jornet erstmalig im Renneinsatz trugen. Es lag wohl nur am Rande am Material, dass Kilian seiner Favoritenrolle in jeder Sekunde des Rennens gerecht wurde, das Spektakel von Beginn an kontrollierte und leichtfüssig jeden noch so steilen Anstieg hochrannte. Nur der junge Italiener Davide Magnini konnte lange Zeit mit ihm mithalten. Seite an Seite liefen die beiden ehemaligen Teamkollegen am legendären, Alpe d’Huez ähnlichen, Sancti Spiritu Anstieg, ehe der Katalane später im Downhill seine technische Weltklasse unter Beweis stellte und den jungen Salomon Athleten distanzierte. Um neun Minuten verbesserte er den alten Streckenrekord letztendlich und gewann das Rennen zum insgesamt zehnten mal. Der erste Triumph des damals erst 18 Jahre jungen Kilian Jornets ist 16 Jahre her. „Mein größter Sieg war es, heute zurückzukommen und die Organisatoren und Zuschauer zu sehen. Dass ich nun zum zehnten Mal gewonnen habe, zeigt auch, dass ich mich stetig verbessert habe und dass ich nicht schwächer geworden bin, und das ist das Wichtigste für mich!“ Äußerte sich der Champion. Nur 3 Minuten nach Kilian und damit auch deutlich unter Streckenrekord-Zeit erreichte der mit seinem Rennen sehr zufriedene Magnini das Ziel. Dank sehr starker Downhill Performance auf Platz drei lief der spanische Altmeister Manuel Merrilas. Stark platzierte deutschsprachige Teilnehmer gab es leider kaum. Moritz auf der Heide verzichtete aufgrund einer Verletzung auf den Start und Florian Reichert war nach einer überstandenen Myocarditis vorrangig im Genussmodus unterwegs. Entgehen lassen konnte sich der deutsche “Mr. Zegama” sein Lieblingsrennen natürlich nicht.

Alle Ergebnisse findet ihr hier

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Madeira Skyrace

Mit 55 Kilometern und 4000 Höhenmetern ist das Madeira Skyrace nicht nur eines der längsten Stops der Skyrunner World Series, sondern auch einer der technischsten. Beim zweiten Rennen der Serie siegten die Spanierin Virginia Perez (BOA Fit System) und der Slowake Peter Frano (Salomon). Erstere lief ihren ersten Ultra und feierte nach ihrem Sieg bei der Skyrunning Snow Championships erneut einen souveränen Start/Ziel Erfolg. Der junge Peter Frano hingegen konnte sich nur knapp gegen den Schweden Sebastian Ljungdahl durchsetzen. Seine Freude über seinen ersten großen Sieg war daher aber umso größer. Bester Deutscher war Alexander Dautel (Merrell) auf Platz 9.

Alle Ergebnisse findet ihr hier

Virginia Perez_USM©Joao Faria
Silvia Puigarnau_USM©Joao Faria
Sebastian Ljungdahl_USM©Joao Faria
Raul Butaci_USM©Joao Faria
Peter Frano_USM©Joao Faria
Anna Frost_USM©Joao Faria
Alex Dautel_USM©Joao Faria

Bilder: Joao Faria

 

Stuiben Trailrun

Beim ersten von zwei großen Trailrunning Events im Ötztal (das Zweite findet Anfang Juli in höheren Gefolden statt: https://www.oetztal-trailrunning.at/die-running-events/gletscher-trailrun/), dem Stuiben Trailrun lief vorrangig die nationale Szene aus Deutschland und Österreich auf der Route am Rande des majestätischen Stuiben-Wasserfalls. Über 24 Kilometer siegten Charlotte Dewilde (Scott) und Andreas Schindler (Scarpa) sowie über die Marathondistanz die Lokalmatadorin Edith Zell und der Stubaier Christian Sstern (2. IATF 100k).

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Maxi Race Annecy

Bei diesem Ultratrail-Klassiker um den französischen Lac de Annecy setzten sich die Französin Julia Rezzi und der US Amerikaner Seth Ruhling. Auf den The North Face Athleten wird noch zu achten sein, distanzierte er doch den Zweiplatzierten, nämlich keinen geringeren als den UTMB Zweiten Aurelien Dunand-Pallaz (Compressport) um fasst eine halbe Stunde.

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