Editorial & Kolumne, TRAIL 5/2016

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Editorial & Denis´Kolumne TRAIL 5/2016

Der Chef war weg und hinterliess natürlich ein Chaos. Die Kollegen retteten ihn und am Ende entstand eine tolle, neue, spannende Ausgabe, die ab Ende dieser Woche am Kiosk liegen wird. Trotzdem sind diesmal Fehler im Heft bzw. ein technischer Mangel ist Grund für 2 Seiten die schlicht nicht getauscht wurden.

Allen die sich nun wundern, wieso denn in TRAIL 5/2016 ein altes Editorial und eine alte Kolumne stecken, dürfen wir hier die richtigen Texte gebe. Sorry!

Editorial 6/16

Du als Leser hast immer recht. Ja, es stimmt, wenn du uns lobst und es ist noch richtiger, wenn du uns schimpfst und mit uns hart ins Gericht gehst. Aber habe dennoch Verständnis mit den Leuten, die dein Lieblingsblatt machen, denn wir wollen es doch allen recht machen. Einfach ist das nicht immer.
Unser Sport geht in die Breite. Nein, nein, nicht dass er unsportlich und unförmig wäre, aber Trail-Running entwickelt sich und wir als Magazin wollen mit ihm gehen. Seite an Seite. Wie gute Freunde eben.

Klar, es gibt Einsteiger, die sich an ihrem ersten Trailrun versuchen, es gibt welche, die ihren ersten Marathon in den Bergen erfolgreich gefinisht haben und dann noch die, die auf jahrelange Erfahrung und noch mehr glorreiche Ultratrails zurückblicken. Also viele Leute, denen wir was erzählen wollen, aber die oft unterschiedliche Erwartungen an unsere Veröffentlichungen haben. Wir tun unser Bestes, für alle da zu sein. Am Ende sind wir alle einfach nur Läufer auf der Suche nach Inspiration und Motivation. Es macht an dieser Stelle nun also Sinn, die zehn besten Tipps zu geben, die ALLE TRAIL-RUNNER angehen, egal ob Beginner, Profi, Ultra-Urgestein oder Adventurerun-Ikone.

Locker bleiben. Immer locker bleiben. Es läuft sich besser mit milden Gedanken und unverkrampfter Haltung.

Alles, was Fachmagazine schreiben und dir angebliche Profis erzählen, ist sehr interessant, aber es muss für dich nicht passend sein. Mach deine eigenen Erfahrungen auf dem Trail und zieh deine Schlüsse draus.

Du kannst trainieren wie du willst, so hart und lang wie möglich und mehr als die anderen.

Wenn du vergisst dich zu erholen, wirst du nicht besser, ausdauernder und schneller. Du bist nicht der Erste, der “ausgebrannt” den besten Sport der Welt beendet.

Lass dein Smartphone einfach zu Hause und lauf los.

Lass deine Sportuhr einfach zu Hause und lauf los.

Alleine laufen ist super! Such dir doch trotzdem mal eine nette Trailrun-Laufgruppe.

Trainiere mit Leuten, die stärker sind als du. Sie machen dich stärker und fordern die letzten 10% von dir.

Kauf dir mal wieder neue Trailschuhe. Es ist an der Zeit.

Nein, das grüne Trikot passt nicht zur blauen Laufhose.

Viele Grüße
Keep on running
Denis Wischniewski

Denis´Kolumne

Wie läuft man öfter?

Die Frage nach dem “Wie läuft man schneller, besser, länger oder schöner?” ist geklärt und mehrfach beantwortet. Facebook wirft andere Probleme auf.
Es geht um “Wie oft läuft man?”. Kennt man doch. 
Die laufen doch alle immer dann, wenn man selbst nicht dazu kommt. Und es gibt Leute, die laufen laut Facebook immer und sind überall. Morgens, mittags, abends, schöne Fotos, Waden, Gipfelblick. 
Selbst schaut man sich diese Provokationen zu Hause auf dem Sofa an und fühlt sich elendig schlecht dabei. Ich kenne Läufer, die reagieren darauf hochsensibel:
Einer kam von einem intensiven 38-km-Lauf nach Hause, legte sich zufrieden in die Wanne. Bio-Limonade, danach eine Lotion. Alles bestens.
Dann legt sich der Kerl aufs Sofa, schnappt sich das Notebook, öffnet Facebook, und einer aus dem engeren Umfeld postet just in dieser Situation eine Momentaufnahme mit dem Text “45 km, jetzt die letzten 12 km Downhill zurück zum Auto!”
Verheerend. Ein Schlag ins Gesicht. Diese 38 Qualitätskilometer waren plötzlich nichts mehr wert, er  zog sich die nassen Laufklamotten wieder an, hetzte nervös an seiner Frau vorbei, die solche Szenen natürlich gut kennt, und hängte nochmal eine Runde dran. 

An diesem emsigen Aktiv-Wochenende rannten Hunderte im Lamer Winkel und am See von Annecy einen Ultratrail, Salomon organisierte für Nachwuchsläufer ein Camp in Garmisch und lichtete die Jugend perfekt auf alpinen Trails ab, etliche andere rannten andere Wettkämpfe oder verabredeten sich zu Community Runs am Gardasee. Wenn man also nicht an all diesen Orten zeitgleich war, hatte man verloren. Man hätte überall sein müssen. Man hätte zwischen 15 und 19 Jahren jung sein müssen, um in Garmisch dabei zu sein und irgendwie auch über 35, um in Annecy und Lam die alten Hasen Dippacher und Pommeret zu schlagen. Als Trail-Runner müsste man so viel, und kann doch immer nur eines – laufen. Für sich ganz alleine.
Es ist verstörend, wenn unsere Aktionen und der Spaß am Sport in Likes und Fans gemessen wird – es soll ja private Blog-Läufer geben, die Geld an Zuckerberg zahlen, um 1.000 Fans mehr auf ihrem Account haben.

Laufen ist längst nicht mehr dieses persönliche Ding. Man beeinflusst, man wird beeinflusst und manchmal ist das toll, und öfters eben ganz und gar nicht. Öfter laufen will aber trotzdem jeder.
Ich kenne einen Haufen Leute, die sagen: “Ich laufe ab jetzt kürzere Distanzen“ oder „Ich laufe gemütlicher und nicht mehr so schnell”, aber keiner sagt: “Ich laufe jetzt nicht mehr so oft!”

Öfter laufen gehen ist übrigens Spitzenklasse. Ich hatte in einem Interview mit der Top-Trailläuferin Anna Frost erfahren, dass sie den Ultralauf, also diese langen Distanzen, doch sehr infrage stellen muss und viele ihrer männlichen Kollegen von einem auf das andere Jahr plötzlich von der internationalen Wettkampffläche verschwunden sind. Übertraining! Ausgebrannt!
Am öfter laufen hat das vermutlich aber nicht gelegen – viel mehr am zu oft, zu lang, zu hart, zu wenig Erholung. Es grenzt schon an Spinnerei, wenn die Trail-Runner jetzt zu einem Alternativsporttag, der aus 110 km Rad fahren besteht, “Regenerationseinheit” sagen. 
Öfter laufen heißt eben öfter laufen, und nicht immer laufen und nie ausruhen.

Vom Übertraining eines Eliteläufers bin ich weit entfernt. Gut, ich will in 50 Tagen 2400 km bis in die Türkei laufen – ich klammere diese Aktion aus meinem üblichen Laufsport-Alltag jetzt mal aus.
Ich gehöre auch zu denen, die in Minderwertigkeitslöcher fallen, wenn sie Facebook öffnen. Schöne, schlanke Menschen, die immer, immer laufen und dabei lässig wirken. Diese Bilder und Postings fliegen mir um die Ohren, wenn ich mit einem Hellen und Chips die Beine hochlege. Ich will auch öfter laufen und überlege mir, wie ich das hinbekomme. Ein Freund von mir bekommt das hin. Er ist willensstark. Er wirkt auch so. Immer gut drauf und fast schon übertrieben fokussiert. Kein Ultraläufer, aber jeden verdammten Morgen, meist schon vor Sonnenaufgang, im Wald unterwegs. Der zieht das seit Jahren durch. Bemerkenswert. Wieso er nicht einfach mal ausschlafen mag, habe ich ihn dann gefragt, und er antwortete: “Weil ich wach bin und laufen gehen mag!”

Ich habe mir angewöhnt, spontaner zu sein. In allem. Spontanität tut dem Leben im Allgemeinen gut und dem Laufen sowieso, weil ich dadurch mehr Vielfalt erfahre. Ich versuche mich mit Freunden zu treffen, einfach kurzfristig, ohne tagelang über den möglichen Treffpunkt und die Zeit zu diskutieren. Wie früher als Kind. Beim Nachbarsjungen klingeln: “Hey, hast du Zeit?” – “Ja, komm rein!” Fertig und gut. Also. 45 Minuten Zeitfenster, Laufschuhe an, Klamotten an und raus. Egal wo und ob da jetzt ein Trail ist oder eine Hauptverkehrsstraße. Würde ich nur dort rumrennen, wo ein einsamer Singletrail, alpin umrandet bis in den Horizont, verläuft, dann würde ich sehr selten laufen.

Öfter laufen also. Guter Plan. Man muss heute berücksichtigen, dass das mit dem Trail-Running ein weites Feld ist. Viele verstehen diesen Sport eben sehr unterschiedlich und das ist gut.
In diesen nunmehr fast zehn Jahren, in denen ich mich jetzt ganz offiziell “Trail-Runner” nenne, habe ich viele kennengelernt, die mit Pauken und Trompeten kamen, noch lauter liefen, immer und überall waren und dann plötzlich weg gewesen sind. Ohne Tschüss, ohne Abmeldung. Man kann das so machen, aber ich vermute, dass es nicht gesund ist.

Lasst uns doch ein Niveau finden, das uns traillaufend bis an die Pforte der Friedhofstore trägt.

Am Ende des Tages bist DU der SPORT! Alle reden davon, dass DER SPORT seinen Zenit überschritten hat, dass vor Jahren alles besser, echter, reiner und intimer war. Mag sein. ULTRA-TRAIL ist zur Marke geworden. SKYRUNNING ist zur Marke geworden. Da gibt es Leute, die wollen damit Geld verdienen. Es gibt Leute, die erheben für sich das Recht, diese Begriffe erfunden zu haben, und nun wollen sie Kohle sehen, wenn andere damit “arbeiten”. Kann man irgendwie verstehen, aber irgendwie auch nicht. Bitte entscheidet nun selbst, ob ihr noch beim UTMB mitlaufen möchtet, ob ihr noch auf UTMB-Qualipunkte geil seid. Im Ernst: Es ist EUER SPORT!!! Er gehört nicht dem Ehepaar Poletti und auch nicht dem SKYRUNNING VERBAND. Es gibt Alternativen. Schon immer. 
Wir sollten uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren. 
BEWEGUNGSKUNST.

3 Kommentare on "Editorial & Kolumne, TRAIL 5/2016"

  1. Cetout

    Schlicht? Schlicht nicht ausgetauscht? Zumindest hatte jemand die Anzahl der Fehler, die in Heft 4 falsch mit 16 angegeben war nun noch auch falsche 10 verschlimmert … Der Chef hinterließ ein Chaos? Hallo?! Wenn man Scheiße baut, sollte man sich dafür entschuldigen und es nicht auf jemand anders schieben. Und dann wagt Ihr es noch in der Spalte links von “leben und lieben was man macht” zu sabbeln. Boah wie peinlich. Zwischen Seite 58 und 60 ist auch noch richtig was schief gelaufen – das würde ich auch gerne noch nachlesen können … Schwach, ganz schwach. Nicht schlicht.

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