Der UTMB wirft seine Schatten voraus

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Wenn am 28. August in Chamonix mit dem PTL der erste Wettbewerb im Rahmen des UTMB startet beginnt der weltweit größte Laufevent im alpinen Gelände. Im Jahr 15 nach der Premiere ist der UTMB ein riesiges Spektakel, es werden 50.000 Zuschauer erwartet und über 8.000 Teilnehmer stellen sich unterschiedlichsten Herausforderungen von den 56 Kilometern des noch jungen OCC bis zu 290 Kilometern des PTL für den man ein maximales Zeitlimit von 151:30 Stunden hat. Dazwischen und doch über allen: der Ultra-Trail du Mont Blanc über 171 Kilometern und 10.000 Höhenmetern.

Was wurde versucht, dieses Rennen zu relativieren. Und vielleicht war er auch berechtigt, dieser Frust. Da gab es das Geschacher um die Qualifikationspunkte. Erst wurde dem ZUT der Status eines Qualifikationsrennens aberkannt und in diesem Jahr dann noch dem legendären Hardrock 100. Kurz hieß, selbst ein Kilian Jornet könne nun an den Qualifikationshürden scheitern. Was natürlich Unfug war, spätestens, weil jedes Rennen sein Elitestarterfeld noch nach eigenem Ermessen auswählen kann.

Überhaupt: das Ermessen. Der UTMB ist tatsächlich das erste Trailrennen, dem so langsam ganz objektiv der Status eines Events beigemessen werden kann. Zumal wenn man es mit den legendären Hundertmeilern in den USA vergleicht, die einmal vor Ort erlebt, ganz familiäre Veranstaltungen sind. Der UTMB hingegen ist Big Business, so weit das in unserem Sport halt möglich ist. Und, ja, da ist auch einiges Gutes dran. Denn wer das Starterfeld der diesjährigen Ausgabe betrachtet, sieht, dass es am Mont Blanc in diesem Jahr zum ultimativen Kräftemessen unseres Sports kommt. Nein, Trail Running soll bis auf Weiteres bitte nicht olympisch werden. Aber so ein Rennen wie dem UTMB, bei dem nicht nur vier oder fünf, sondern 25 der absoluten Top-Atheleten starten, das braucht unser Sport.

10 Jahre PTL
In diesem Jahr feiert der PTL, der längste der fünf Läufe, sein zehnjähriges Jubiläum. Er führt seine Teams, die aus zwei oder drei Mitgliedern bestehen, in völliger Autonomie, in einer riesigen Schleife um den Mont Blanc. Man könnte meinen es wird hier kein Höhenmeter ausgelassen. Die Jubläumsausgabe führt über insgesamt 30 Pässe. Ein echtes Abenteuer über fast 300 Kilometer und 26.500 Höhenmeter. Der PTL trägt heute vielleicht den Esprit in sich, den der UTMB verloren hat.

Der UTMB versucht sich neu zu erfinden

Der Position des größten Trailevents der Welt gerecht zu werden ist nicht einfach. Der Veranstalter trommelt jährlich lauter und macht aus Chamonix für eine ganze Woche das Zentrum der Trailwelt. Es gibt Kinderrennen, eine große Messestadt und unzählige Sideevents der Sponsoren und teilnehmenden Teams. Wer letztlich am Start des UTMB steht hat bereits einiges auf sich genommen: die nötigen Qualifikationspunkte gesammelt, das entsprechende Geld dafür ausgegeben, sich seriös vorbereitet. Dann noch mit Losglück einen begehrten Startplatz bekommen, nun steht manmit der versammelten Weltelite am Start der 171 Kilometer und 10.000 Höhenmeter. Bis zu 46:30 Stunden hat man dafür Zeit.

In der Tat treffen sich beim UTMB, wie bei keinem anderen Rennen auf Trails, die besten Athleten der Welt. Wenn es weltweit zehn, allenfalls 15 Leute gibt die diesen Trailsport vollprofessionell betreiben, dann messen die sich, zumindest in diesem Jahr, hier. Denn zur 15. Austragungw sind fast alle dabei die Rang und Namen haben. Allen voran Kilian Jornet, der Spanier der mit seinem ersten UTMB-Sieg 2008 quasi seine Karriere so richtig startete. Er wiederholte den Erfolg 2009 und 2011 eindrucksvoll.
www.utmbmontblanc.com

In den vergangenen Jahren widmete sich Jornet anderen Projekten und so waren es andere die beim UTMB siegen konnten und die sich in diesem Jahr zurecht gegen Jornet behaupten wollen. Die vielleicht berechtigsten Ansprüche melden dabei Xavier Thevenard und Francois d´Haene (vielleicht der Top-Favourit) an. Aber dann sind da noch die US-Boys. Die machen das Rennen seit Jahren spannend. Meist vom Start weg, denn sie riskieren oft viel und nehmen damit in Kauf auch himmelhochjauchzend einzubrechen. Dabei haben sie gelernt und schicken mit Zack Miller den sechstplatzierten des Vorjahres in Rennen. Das große Fragezeichen ist Jim Walmsley. Der Führende der UTWT-Rangliste kann sehr schnell und sehr lange laufen, aber kann er das auch in den französischen Alpen?

Bei der hohen Qualität der Konkurrenz darf man dem Zweiten 2016, Gediminas Grinius, oder dem einstigen CCC-Sieger Tofol Castanyer, eher geringe Siegchancen zusprechen. Auch Titelverteidiger Ludovic Pommeret, eine lebende Legende des Ultratrails, wird 2017 vermutlich nicht ganz vorne mitlaufen können.

Bei den Damen könnte es im Kampf um den Sieg zu einem spannenden Wettstreit zwischen Andrea Huser und Caroline Chaverot kommen. Huser hat viel gelernt, weiss genau wie sie sich einteilen muss. Am Ende würde es jedoch nicht verwundern, wenn es die Spanierin Nuria Picas ist, die als Erste in Chamonix einläuft.

Und dahinter? Werden sich viele Trailläufer, auch aus Deutschland, ihren Traum erfüllen. Jenen einer UTMB-Teilnahme und hoffentlich auch eines erfolgreichen Finishs. Vielleicht wird man, nach diesem garantiert begeisternden UTMB-Wochenende, noch einmal gründlich, ja grundsätzlich über dieses Rennen reden müssen. All diese Letztgenannten Starter aber haben sich ihren Spass verdient.

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