Der Notruf – Sofortmaßnahmen auf dem Trail!

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Im ersten Teil ging es um die lebensrettenden Sofortmaßnahmen – diese kommen im Gelände immer zuerst. In dieser Ausgabe kommen wir zum zweiten Glied in der Rettungskette: Der Notruf!

Von: Christian Freund

Also – raus mit dem Handy und dann? Klar, wenn professionelle Hilfe benötigt wird, muss man diese anfordern. Hier hilft uns die Rettungsleitstelle, und damit die Hilfe zielgerichtet und effektiv kommt, kann man hier schon entscheidend mithelfen.
Eine Checkliste hierzu findet ihr am Ende des Artikels.

Dank einer EU-Verordnung erreicht man inzwischen auch ohne Roaming-Probleme mit jedem Mobiltelefon (leider nur mit eingelegter SIM-Karte!) die nächstliegende Notrufzentrale unter der 112. Im Nicht-EU-Ausland kann es auch mal die 911 sein (wird auf dem Display des Mobiltelefons in der Regel angezeigt).

Inzwischen gibt es auch interessante Entwicklungen im App-Bereich für Smartphones. Paradebeispiel ist hier die Notruf-App der Tiroler Bergrettung in Zusammenarbeit mit der Leitstelle Tirol. Über die App wird – wie immer mit einer bestehenden Funkverbindung als Voraussetzung – mit wenigen Klicks die aktuelle GPS-Position an die Leitstelle übermittelt und eine direkte Verbindung mit der Notrufzentrale aufgebaut. Gleichzeitig wird die Nummer für Rückrufe übermittelt. Moderne Funktechnik ermöglicht inzwischen, dass eine direkte Sprechverbindung z. B. mit dem anfliegenden Rettungshubschrauber oder der Bergrettung hergestellt werden kann. So können langwierige Suchen abgekürzt und Verletzte schneller geortet werden.

Jeder, der ein Smartphone oder ein GPS-Gerät am Berg dabei hat, sollte bereits vor einer Tour wissen, wie er an die aktuellen Standortkoordinaten kommt. Das Format ist dabei zweitrangig – es gibt hier inzwischen gute Umrechnungsprogramme, auf die die Rettungskräfte zurückgreifen können.

Die Koordinaten alleine sind jedoch nur der erste Schritt. Der Rettungsdienst – in den Bergen meist die Bergwacht bzw. Bergrettung, egal ob mit oder ohne Hubschrauber – benötigt einfach mehr Zeit als die Kollegen in den Städten, und die Einsatzorte sind auch bei richtig übermittelten Koordinaten oft nicht einfach zu finden, auch nicht aus der Vogelperspektive.
Aus diesem Grund findet – falls möglich – stets eine Rücksprache der Einsatzkräfte mit dem Melder statt. Also nicht wundern, wenn ihr plötzlich angerufen werdet – ein ortskundiger Bergretter oder ein Besatzungsmitglied des Rettungshubschraubers nimmt mit euch Kontakt auf, um den Einsatzort möglichst genau lokalisieren zu können und um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Um von Weitem und aus der Luft gut sichtbar zu sein, sind leuchtende Kontrastfarben (Kleidung) praktisch, hier kann auch eine Rettungsdecke helfen.

Noch ein Tipp zur Einweisung des Rettungshubschraubers am Telefon:
Die Richtung gibt man immer mit Uhrzeiten in Flugrichtung des Hubschraubers an, also z. B. 3 Uhr bedeutet 90° rechts.

Tipps
Durch die richtige Körperhaltung – Y für Yes (ja, ich brauche Hilfe) bzw. N für No (nein, ich brauche keine Hilfe) – kann man einem Rettungshubschrauber zeigen, ob man Hilfe braucht oder nicht. Wenn möglich steht man dazu mit dem Rücken zum Wind (Wind von hinten).

Das Mobiltelefon gehört im Winter ganz nah an den Körperstamm, dann hält den Akku länger. Zur Angabe der Art der Verletzung oder Erkrankung kann man sich wieder an den Symptomen orientieren: Besteht bei ABCDE ein Problem? (Siehe Teil 1 im Trail-Ausgabe 1/2019)
Wichtig ist auch: Besteht eine komplizierende Vorerkrankung oder ist das Ausmaß der Verletzung besonders schwer? Zur Einschätzung von Verletzungen und deren Versorgung dann mehr in der nächsten Ausgabe …

Checkliste

• Lebensrettende Sofortmaßnahmen (ABCDE)
• Lagern, Beruhigen, Drücken, Wärmen
• Notruf 112
• Wo ist der Notfallort (GPS-Koordinaten)
• Was ist passiert (Unfallmechanismus)
• Wie viele Personen (verletzt/unverletzt)
• Welche Art von Verletzungen
• Wann, falls nicht gerade, ist es passiert
• Wer ruft an bzw. Warten auf Rückfragen
• Anweisungen folgen
• Erreichbarkeit und Sichtbarkeit herstellen
• Weiter mit der Betreuung und Versorgung

• Sicherheit? Eigenschutz!
• A-Problem? (Atemweg)
• Mund frei? Überstrecken, Seitenlage
• B-Problem? (Beatmen/Atmung)
• Beatmen, Lagern
• C-Problem? (Kreislauf, kritische Blutung)
• Blutungen durch Druck stoppen
• Lagerung, ggf. Herzdruckmassage
• D-Problem? (Durchblick, DMS)
• Lagerung, Dringender Transport
• E-Problem?
• Isolieren, Lagern
• Notruf

Über den Autor:
Dr. med. univ. Christian Freund, 39, Facharzt für Allgemeinmedizin, ist in Bad Reichenhall niedergelassener Hausarzt und zudem als Notarzt in der Berg- und Flugrettung und als Ausbilder für Notfallmedizin in der Bergwacht Region Chiemgau tätig.
Wenn er nicht bei Trail-Wettkämpfen läuft (z.B. Trail Amadeus, Glockner Trail 50k, Innsbrucker Trailrunning Festival 40k, Chiemgau-Trail-Run 42K, Koasa-Marsch Trailmarathon 44K),
geht er mit seiner Familie je nach Saison Radeln, Wandern oder Skifahren.

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