BOA® Verschluss: Interview mit Account Manager Michael Kabicher

2128 0

Michael Kabicher (MSc für Sportgerätetechnik) arbeitet seit 2014 als Account Manager für BOA® in Mondsee, Österreich. Er arbeitet eng mit den Produktentwicklern der Marken zusammen, um das BOA® Fit System ideal in den entsprechenden Trailrunningschuh zu integrieren. Michael weiß wovon er spricht, denn er ist leidenschaftlicher und erfolgreicher Trail- und Ultrarunner. Beim Transalpine Run, beim Hochkönigman sowie beim Grossglockner Trail lief er jeweils unter die Top 3. Wir haben mit ihm über die Technik geredet und wollten wissen wie zuverlässig das System arbeitet und was das Boa- Verschlusssystem für Trailrunner so interessant macht. Alle aktuellen BOA® Modelle findet ihr in unserem Schuhfinder, indem ihr bei Kategorie “BOA® Fit System” auswählt.

 

Hallo Michael, das BOA® Fit System ist inzwischen fest etabliert als Schnellverschlusssystem an Laufschuhen. Was sind für dich die großen Vorteile von BOA® für Trailrunner?

In den vergangenen Jahren hat sich BOA® vom Verschluss System zum ganzheitlichen Fit System entwickelt. Es geht uns nicht nur darum einen Schuh schnell zu schließen, sondern vielmehr eine Passform zu erzielen, die die Funktion und den Fit des Schuhs verbessert. Wir setzen da an, wo normale Schuhbänder oder Speedlace Systeme an ihre Grenzen stoßen. Ein perfekter Fit ist unser Ziel, und zwar wie er für die jeweilige Aktivität benötigt wird. Wir arbeiten mit unseren Partnern (adidas terrex, La Sportiva, New Balance, etc.) daran, neue Konfigurationen zu implementieren, die das ermöglichen.

Würdest du sagen das BOA® Fit System passt zu jedem Schuh? Oder muss der Schuh selbst bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um mit BOA® kompatibel zu sein?

Ja unbedingt. Aber es geht nie um den Einbau unseres Fit Systems nach dem der Schuh schon entwickelt worden ist, sondern um die gemeinsame Entwicklung mit den jeweiligen Schuhherstellern. Nur wenn die Schuhkonstruktion und BOA® als Symbiose konstruiert werden, verbessert sich der Fit und die Funktionalität wesentlich. Darum arbeiten wir mit unseren Partnern auf Entwicklungsebene sehr eng zusammen und bieten sehr viel technischen Unterstützung, vom Performance Fit Lab (Biomechanisches Labor) bis zum BOA eigenen Prototypenbau. Solche Konstruktionen sind sicherlich die Zukunft und schon jetzt zeichnen sich erste Erfolge ab, wie z.B. mit dem La Sportiva VK BOA®, Saucony Switchback 2, Adidas Agravic Pro, etc. Wie schon erwähnt, spielt unser Biomechanisches Labor in Denver eine sehr große Rolle, um die Vorteile unseres Systems, auch auf wissenschaftlicher Ebene zu überprüfen. Es sind mehrere Studien in Arbeit und auch schon veröffentlicht. Natürlich Testen wir auch mit unserem eigenen Trail Team.

(c) Krewenka(c) Krawenka

Das aktuelle System an den Trailrunningschuhe beruht auf dem Prinzip “turn to tighten”. Das heißt die Schnürung kann sehr fein eingestellt werden. Geöffnet wird sie allerdings nur komplett durch das Ziehen am Verschluss. Ihr stellt aber auch Systeme her, die mittels „turn to adjust“ das justieren in beide Richtungen erlauben. Glaubst du das wäre in Zukunft auch für Trailrunningschuhe denkbar (Wechsel Up- und Downhill) oder siehst du da keinen Bedarf?

Sehr gute Frage! Das System mit „turn to adjust“ wurde in erster Linie für Radschuhe entwickelt, wo die Athleten während der Aktivität den Fit verändern, eine lockere Schnürung beim Einfahren und dann wird ein wirklich fester Halt für den finalen Sprint benötigt. Bestimmt hätte das auch Vorteile im Trailrunning und wir evaluieren dies auch aktuell. Neben der BOA® Funktionalität mit einem System werden vermehrt Konfigurationen mit 2 Zonen auf den Markt kommen, um den Fersenhalt und das Volumen im Vorfuß getrennt anzupassen. Speziell bei Ultraläufen bewährt sich ein 2 Zonen System, da der Fuß über die lange Distanz merkbar anschwillt (New Balance Hierro BOA®).

Uns ist bis jetzt noch kein BOA® System auf dem Trail kaputt gegangen. Nichtsdestotrotz ist dies nie ausgeschlossen. Welchen Service könnt ihr im Schadensfall anbieten?

Wir bieten bei BOA generell eine Garantie für Drehrad und Seile für die Lebensdauer des Produkts, auf dem sie integriert sind. Im Fall der Fälle kann man kostenlos ein Reparatur Kit über unsere Webseite bestellen. Trailschuhe haben eine relativ kurze Lebensdauer, so ist eher eine Außensohle abgelaufen oder das Obermaterial aufgerieben, als das die BOA® Komponenten Probleme machen.

Außerdem verhindert das bei Trailrunningschuhen verwendete BOA® Fit System L6 mittels eines eleganten Systems eine Beschädigung oder das unbeabsichtigte Öffnen der Schuhe. Dieses System setzt sich aus einem Bajonett und einer Kartusche zusammen. Bei starken Schlägen ist die Kartusche so konstruiert, dass sie sich vom Bajonett löst. Wenn dies passiert, kann die Kartusche einfach wieder in das Bajonett eingesetzt werden (siehe Bild). Das System funktioniert für den weiteren Verlauf der Aktivität problemlos.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei einem harten Schlag löst sich das Drehrad vom Bajonett, um Schäden zu vermeiden. Du kannst es einfach wieder hineindrücken.

Zu guter Letzt: Du warst hauptverantworlich daran beteiligt das BOA Trail Team aufzubauen. Was zeichnet die Läufer*innen des Teams aus und was sind eure Ziele bezüglich des Teams?

Ja, es ist spannend wie sich das Team entwickelt. Uns ist wichtig, dass es eine Gruppe von Top-Athleten ist die zum einen durch ihre Ergebnisse auf sich und BOA aufmerksam machen aber auch Spaß bei der Sache haben. Wir sehen im Trailrunning momentan viel Dynamik und der Sport verändert sich, Produktinnovationen im Schuhbereich werden eine wichtige Rolle spielen und es wird sicherlich noch professioneller werden.  Wir sehen unser Team in einer Entwicklung genauso wie unser Produkt, wo noch vieles möglich ist und wir global erst am Anfang stehen.

Keine Kommentare on "BOA® Verschluss: Interview mit Account Manager Michael Kabicher"

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.