50DAYS … ein Ziel das es nicht gibt.

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Etappe 34

Ein Tag der Entscheidung und eine vorübergehende schwere Trennung

Ich habe mich entschieden und das ist gut.
Die Türkei ist ein tolles Land und ich bin mir sicher, dass die Menschen dort genauso wunderbar, herzlich, gastfreundlich und spannend sind, wie hier in Bulgarien auch. Es ist leider so, dass den Menschen dort die Demokratie um die Ohren fliegt. All das was vor einigen Jahren dort in eine tolle Richtung ging, aufgebaut wurde, ist nun im Begriff in einem Rekordtempo kaputt zu gehen.
Mein Ziel und Wunsch war es mein Abenteuer 50DAYS in Istanbul zu beenden. Ich werde es nicht tun.
Ich bin heute meine 34. Etappe gelaufen und habe zum 34. mal Europa erlebt und bin fasziniert. Ein Europa, wie ich es mir vorstelle und verstehe endet aber leider an der Türkischen Grenze. Also werde ich auch genau dort mein ZIEL haben. Ich verzichte also auf die letzten 4 oder 5 Etappen. Mit schwerem Herzen. Es geht um meine Sicherheit, es geht aber auch um das Zeichen. Ohnehin glaube ich kaum, dass aktuell mein Filmteam mit Equipment einreisen könnte und ich gehe sogar davon aus, dass ich als Journalist so meine Schwierigkeiten haben würde. Ich will mir nicht ausmalen was wirklich in der Türkei los ist, was bei uns ankommt von dem was dort passiert.

Es ist schwierig für mich von meiner Lauferei zu berichten. Ich bin rein sportlich sehr glücklich, habe für mich eine Leistung vollbracht, die ich nicht für möglich gehalten hätte, habe Dinge gesehen die ich nie im Leben vergessen werde und Natur erlebt, die einmalig ist. Ich gebe aber auch zu, dass die Situation in dem Land in dem ich glücklich ankommen wollte, auch meine Welt dunkler und bedrückter macht.

Ich werde in den kommenden Tagen noch tolle Etappen laufen, ein Gebirge überqueren, mit Hitze kämpfen und mich selbst noch ein paar mal richtig aus der Reserve locken müssen. Es ist schwer nach 34 Etappen – muss ich zu geben! Auch die 47 km heute taten am Ende weh und mein Begleiter Georgi trieb mich an, redete mir zu und versorgte mich brüderlichst. Das sind Gesten die ich nie vergessen. Großes Kino. Deutsch-Bugarische Freundschaft.

Morgen werde ich wieder alleine laufen. Ich weiss noch nicht, ob das gut oder schlecht ist.

Dass Laufen, mein Sport und meine Passion nun so eng an Politik geknüpft ist, konsterniert mich.
Eine Grenze, ein Zaun, eine Schranke ist NIE so ein erstrebenswertes Ziel wie ein Stadt oder ein Land. Ich weiss das, aber die Entscheidung ist gefallen und ich fühle mich gut damit.

Etappe 35

Es stimmt schon – man muss die Dinge nehmen wie sie kommen. Ich habe mich so lange auf diese 50DAYS gefreut und nun bin ich mittendrin und renne auf das Ende zu. Unglaublich. Auf dieser 35. Etappe überkam es mich ein paar mal so richtig derbe und ich bekam für Sekunden Gänsehaut und mein Körper einen Extraschuss Hormone. Alle guten Dinge gehen vorüber. Dieser Sommer, dieser Lauf wird es auch tun, aber er wird mir für immer bleiben. Dass Laufen, ein Sport in dieser Simplizität, mich einmal so vollständig ins Leben wirft, hätte ich mir vor ein paar Jahren nicht einmal im Ansatz vorstellen können. Ich dachte man braucht dafür viel Geld, ein schnelles Auto oder reiche Eltern.

Ich rannte heute, wieder alleine, von Ugarchin nach Trojan, an den Fuß der Berge. Unspektakulär. Umso mehr Zeit zum Denken. Das mit dem Ziel geht mir nach, aber ich habe meine Entscheidung getroffen. Ich will einen konsequenten Lauf laufen. Ich will mit einem Ausrufezeichen die Schuhe ausziehen und sagen “Hier sind meine 50DAYS zu Ende, weil es genau hier Sinn macht für mich!”

Es stimmt schon, ich könnte anstatt Istanbul nun Athen anvisieren, ich könnte zu Georgi ans Schwarze Meer weiter laufen oder nach Moskau trampen. Ich wollte nach Istanbul. Das geht nicht, das ist zu gefährlich und ich habe genug Gründe dort nun nicht hinzulaufen. Für mich ist es konsequent genau dort zu stoppen wo meine Werte aktuell ein Ende haben, wo Europa aufhört wie ich es (zumindest breit angelegt) verstehe. Die Grenze zur Türkei. Mit diesem Ziel bin ich zufrieden. Sollte bis dahin – also in ca. 7 Tagen – die Türkei eine neue, demokratische Regierung haben … na ja, lassen wir das. Schlimm genug das alles.

Ja, ja, es lief ganz gut heute. Routine. Landschaftlich etwas mager. Ist aber oft so, dass die Abschnitte “hin zum Berg” fad sein können. Das ist der Preis, den man zahlt um einen Tag später aus dem vollen zu schöpfen, denn Morgen geht es übers Balkangebirge drüber, nach Süd-Bulgarien. Bin gespannt.

Es gibt übrigend auch Highlights nach den Etappen. Auch heute. Kleine Dinge bekommen hier plötzlich große Bedeutung: Marillen-Saft, Tüte Chips, Schokolade mit Erdnußsplitter, Folge 1-5 “Luzie, der Schrecken der Strasse”, Regionales Bier (limitiert auf eine Flasche pro Tag).

Ich wurde heute gefragt (FB), wie ich es schaffe, nun schon so lange täglich diese Distanz zu laufen und ich weiss es doch selbst nicht. Ich glaube, es hat mit “Spannung” zu tun. Ich bin unter dieser positiven Anspannung, die alles möglich macht. Wenn die verloren ginge, wäre es vorbei.
Diese Spannung ist eine tolle Erfindung: vor 3 Tagen lief ich in einen Hof, der so privat war, dass die beiden Hunde, das auch so zeigen wollten und mir an die Fersen gingen … ich sprintete. Aus meinem Ultralauf-Trott heraus, wie ein Usain! Nach 43 km! Ich war verdammt schnell…nichts ist unmöglich.

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